Montag, August 31, 2015

Méas Welt präsentiert voller Stolz: Le Théâtre de Souris

Das Mäusetheater!

Ein kleiner mausiger Sommernachtstraum, erträumt und Gestalt geworden in einem kleinen Königreich. 
Nun zum Ende des Sommers zu Lúnasa fahren wir die Ernte unserer Arbeit ein.
Und diese Ernte ist hier natürlich etwas anders ausgefallen ;)



Jetzt, da die Uhren wieder langsamer gehen und in einer Zeit, in der man den nahenden Herbst und seine Macht, die übers Land rollen will, bereits erahnen kann... kommt zu Euch eine
kleine Geschichte
nach Hause.
Eine Geschichte wie ein Nachhall des Sommers, so klein und doch so groß wie ihre Figuren und ihr Schicksal...

Eine Erzählung wie diese in Mäuseformat zu verpacken, war nicht einfach.
Oh wirklich, solch eine Geschichte von Taschenformat in Griff und Kniff zubekommen!
Und dies bei all den Ideen, die da auf Mäuse- und Rattenpfoten herantrappelten - 
was für eine Aufgabe.

Ich hoffe so sehr, dass es vor allem hier unter all den lieben Bloggern und Bloggerinchen auch Mausefans gibt.
Mausefans, die skurrile Geschichten mögen.
Dann wäre dies meinGeschenk an Euch –
 wie damals mein Adventskalender.
Ich habe mir wahrlich Herzensmühe gegeben.

Ich war zudem eingeladen worden. 
Von fünf Ladies aus Amerika, doch auch ein Mäuseprojekt zu starten, mich ihnen anzuschließen (Hier könnt Ihr erklicken, wann dies damals geschah und deren zauberhaften Werke sehen).
Und dieser lieben Einladung wollte ich natürlich unbedingt gerecht werden. 

So I will join you now, my fabulous five, 

 Anita Rivera from Castles Crowns and Cottages
Doré Callaway from Burlap Luxe, 
Violet Skiles from Create Beauty, 
Vera from Row Homes and Cobblestones
and Lin from A Tiny Cottage in the Woods.
Thank you for the honour, as you asked me to be with you in this sweet project!
I gave my best, oh, every free minute in my atelier I stole. 
Like a little ferret, to create it -
the mouse theatre and the story.
There will be the English translation soon,
as my dear big sister in California will help me here :)


Oh, Du meine Güte, ich bin vielleicht aufgeregt... habe tatsächlich ganz wildes Herzklopfen.
Premiere...
Sowas habe ich ja noch nie gemacht! 
Hoffentlich gefällt es Euch. 
Mathilde spricht sich übrigens französisch aus, n´est-ce pas?


Es geht los - 
Vorhang auf!
Und... wundert Euch nicht, wenn ich die Heldin manchmal eine Mäusin nenne. Denn eine normale Maus... ist sie nicht;)


Das darfst du nicht - du musst hier bleiben", wisperte es neben ihr im Dunkel des Mäusenests. 
"Du wirst umkommen wie all die anderen, der Zweiköpfige wird dich kriegen."
"Es ist nichts bewiesen" wisperte sie wütend zurück, "Hat man je Beweise für all diese Geschichten gefunden? Ah? Siehst Du. Zweiköpfig soll er sein? Was, wenn er nur verwachsen ist nach all den Verletzungen?"
"Ach, einerlei, Ratte bleibt Ratte. Wolfsratte..." Die Schwester neben ihr im Dunkel des Mäusebaus spieh hörbar aus. "Geschwür, das..."
"Du warst nicht dabei - er soll anders gewesen sein als andere Ratten", kam es unbeeindruckt zurück.
"Ah, wie immer, unmöglich bist du - verteidigst etwas, von dem wir nichts wissen."
"Eben drum! Weil wir nichts sicher wissen! Und sollte dies alles wahr sein, finde ich es im Gegenteil zu euch auch ganz und gar nicht heldenhaft, was die Mäuse da gemacht haben. Ich finde es ekelhaft und schäbig. Diese Geschichte um ihn - wie gemein und grausam, was ihm widerfuhr!"
"WAS? Das war ein... Himmel und Mäusegöttin, mit deiner Art wirst Du jeden anständigen Mäuserich abstoßen. Alleine schon dieses Gerede, so schwärmerisch über einen Mörder, das Niederste, und gegen die eigene Sippe..."
"Ha, von weeegen, die Mäuseriche gucken schon trotzdem. Vielleicht gefalle ich ihnen gerade deshalb, weil ich hinterfragen kann..."
Die Mutter ließ ein missfallendes Seufzen ertönen - wie so oft, wenn es um ihre wilde Tochter ging.
"Mathilde... Du bist von dieser Geschichte mittlerweile völlig vereinnahmt, wo wird das noch hinführen! Aber nein, es wird sogar immer noch schlimmer mit dir! Das war eine unselige Verbindung, die dort stattfand - unmöglich! Sich auf solches einzulassen! Wo kommen wir da hin, wenn solches Gesindel wie Ratten sich mit braven Mäusen gemein machen könnte? Es sind unsere Todfeinde! Und diese sind gefährlich, listig und niederträchtig. Nicht wir. Wie kannst Du nur so sprechen. ... Die Getreideähren neigen sich dieses Jahr einfach vortrefflich, findet ihr nicht?"
"Jaja, lenk´ nur mal wieder ab, DAS machst du ja zu gerne", kam es hitzig zurück. "Dieses Wesen aber scheint ja wohl ziemlich anders gewesen zu sein - und die Mäuse waren ja erst einmal ganz fasziniert von seinem Tun, nicht wahr?"
Laute der Unmut waren zu hören.
Doch die rebellische Maus gab nicht auf. "Ach, ich weiß schon, mit mir könnt ihr nichts anfangen, jaja, und ich bin wohl auch anders. Haltet ihr nur zusammen... Aber was denkt ihr eigentlich, so viel besser zu sein? Träumt ihr denn nicht auch davon, einmal nicht die ganze Zeit unter der Erde zu sein? Etwas zu erleben? Nur Nachts kurz hinaus für ein paar Keime und Körner, was soll das für ein beschränktes Leben sein? Wäre es nicht schön, auch tagsüber einmal zu erkunden?"
"Und untergehen" kam es im Chor.
"Ich bin schnell."
"Nicht schnell genug", wisperte es aus gleich ein paar Mäuseschnauzen.
"Ich werde nicht untergehen - ich bin stark! Was, wenn mich draußen jemand braucht?"
"Ha, das sagt ausgerechnet die Mickrigste und Schwächste! Was meinst Du, wer Du bist, Mathilde? Was Du bitte schon ausrichten kannst?"
"Mich zumindest entwickeln??"
"Nichts ist ihr gut genug! Lasst sie doch gehen - sie hat nie zu uns gepasst, sie ist völlig aus der Art geschlagen, und sie kann ohnehin nicht werfen...", kam es aus dem Hintergrund.
"Ahhhhh, zumindest weiß ich, was ICH brauche", antwortete Mathilde zutiefst verletzt in der Dunkelheit.
"Und was wäre das?", höhnte es.
"Das, was offenbar nur ich fühlen kann...", kam es kleinlaut zurück.


Als Mathilde erwachte, hatte sie erst kurz geschlafen. Das Mäusenest lag ruhig, doch Unruhe hatte sie erfasst. Die Morgendämmerung. Jetzt schlich die Katze um, bevor sie sich, vom Menschen gefüttert, behäbig schlafen legte. Raschelte es dort draußen nicht gerade verräterisch?
Die Nähe der anderen, die so gerne dieses Mäuseleben im Bau lebten, lastete schwer auf der Mäusin. Als steckte sie in der falschen Haut. Die anderen, ja..., die sich so gerne zusammentaten.
"Ich muss wohl anders leben, ich bin eben so geboren. Meine himmlischen Eltern haben mich mal schließlich so gemacht, jawohl, haben die", wisperte sie ungehört und schämte sich zugleich ein wenig für ihre Unbescheidenheit, die ihr immer vorgeworfen wurde. Ja, wer war sie schon? Doch da war etwas so stark in ihr, so wild und wunderbar, es nahm alle Zweifel fort. Ihr Entschluss, er war ausgereift. "Ich muss hier weg, einfach nur weg."
Die Mäusin spitzte die Ohren. Da, ein Satz, noch ein Sprung..., die dicke Katze hatte aufgegeben und sauste zurück nach Hause.
Es war an der Zeit - nun galt es.
Mathildes Haut schien enger zu werden. Ihr Herz hämmerte, ihre vorwitzige Nase schnupperte, wie sie noch nie geschnuppert hatte. Mit glänzenden Augen blickte die junge Mäusin zum Licht, das nun spärlich in den Ausgang drang, als wolle es sie sanft locken. Und dann ging sie. Schrittchen für Schrittchen, auf den Ausgang zu und hinaus in die Welt - sie blickte sich nicht einmal um. Es war der Ruf, dem sie folgen musste.
Der Ruf des anderen - der gleich war.


Seltsam bestimmt führten ihre kleinen Pfoten sie weiter hinein in den Wald. 
Er war hier unbekannt, nie zuvor hatte sie sich so weit fort getraut.
"Kannst nicht werfen... Reiben sie es mir auch noch unter die Nase! Ja, ich werde keinen Wurf haben, aber ha, ich kann so viel Schönes erdenken... mit dem DIE nichts anfangen können", grollte Mathilde und lenkte sich ab von der großen Furcht, die sie nun überkommen wollte.
Die Mäusin kannte sich im Wald besser aus als alle anderen. Und sie wusste ohnehin, dass die alte Eule tot war. Vor ihr drohte keine Gefahr. Doch nun war Mathilde weiter gegangen als je zuvor. Hier kannte sie sich nicht aus. Hier im tiefen Wald, der zum Teufelshügel führte.
Was, wenn die Legende wirklich wahr war? Alles, was die Geschichte erzählte, sich tatsächlich dort auf diesem Hügel zugetragen hatte?
Wirr und lückenhaft war der Hergang, vieles hatte man sich zusammengereimt - doch alleine schon, dass eine Ratte und eine Mäusin sich in einer seltsamen Liebe gefunden haben sollten, löste bei Mathilde ein wohliges Kribbeln aus.
Solch ein Kribbeln hatte sie schon einmal verspürt. Damals, als sie im Wald mit einem hübschen Mäuserich zusammentraf, der sie... nun... äußerst zärtlich umworben hatte. Mathilde musste kichern bei dieser kleinen Erinnerung.


"Wenn die wüssten", amüsierte sie sich insgeheim. Die Furcht war fort.
Und auch wenn Mathildes Pfötchen ihr vom langen Laufen weh taten und sie vor Erschöpfung beinahe aufgeben wollte - ein Zurück, das wusste sie, das gab es nun nicht mehr.
Die Legende - sie fesselte Mathilde ohnehin viel mehr als alles, was sie kannte. Da konnte selbst der Mäuserich nicht mithalten.
Die Geschichte des "üblen Zweiköpfigen", die alle wie ein Heldenepos der Mäuse erzählten.
Der "heroischen" Mäusesippen, die sich zusammenrotteten, gemeinsam das Untier zu vernichten, um Anstand und Moral wiederherzustellen.
Mathildes Herz aber litt, wenn sie diese Geschichte hörte. 
Und über all diesen Gedanken schließlich vergaß sie die Zeit und lief weiter...





Der Comte, 
so hatten sie ihn damals alle genannt, da er überheblich und eitel gewesen sei. Zudem niederträchtig, ein Verräter und ein Mörder.
Gehasst von seinem eigenen Volk hatte er sich einst einen tödlichen Kampf mit seiner Sippe geliefert. Er hatte sie verraten - womit, wusste allerdings keiner. 
In einem Zweikampf hatte er den Sippenführer umgebracht. Auch hier wusste keiner, warum genau.
Wie dem auch gewesen sei, der Comte ward ausgestoßen und schleppte sich verletzt davon. Auf eben dieser Flucht dann muss er auf eine wunderschöne Mäusin namens Luna getroffen sein. So nahm das Verhängnis seinen weiteren Lauf.
Luna nämlich, die anders als Mäuse sonst war, die ja einigermaßen dumm sind und schon gar nicht kreativ, soll in der Lage gewesen sein, sich kleine Bühnenstücke auszudenken. Mit ihrem Talent verzauberte sie die Mäuse ihrer Sippe, wie es sich überall herumsprach. Solches war zwar an sich unerhört für eine Maus, doch offenbar hatte sie mit ihrer Schönheit und dieser Andersartigkeit der Vorstellungskraft, - die sonst eben nur den intelligenten Ratten eigen war - auch den Comte bezaubert.
Just in dem Moment, als der Comte sie nun bei einer ihrer heimlichen Proben im tieferen Wald beobachtete, brach eine Katze aus dem Gebüsch, um Luna zu packen. Immer noch versehrt, rettete er die Mausefrau mit letzter Kraft. Dies zumindest war belegt.
Die Gerettete und ihre Sippe brachten ihm aus Dank Futter herbei und warfen es ihm hin - voller Angst vor dem hässlichen großen Untier, das in viel größerem Umfange Mehlwürmer und dergleichen verzehrte als die Mäuse. 
Aus Scham um seine verunstaltenden Verletzungen und zur Warnung legte er sich nun einen Mantel aus schwarzem Fell um. Es war das Fell seines Todfeindes, den der Comte im Zweikampf getötet hatte, so hieß es - es soll allerdings in Wirklichkeit Eichhörnchenfell gewesen sein, was den Effekt einer Warnung hier allerdings noch verstärkte.
Doch den Mäusen tat er nichts und hielt schließlich auch die Feinde fern - wie eben wohl dieses Eichhörnchen. So gewann der Rattenmann das Vertrauen von Luna, in die er sich offenbar völlig verliebt hatte.
In der folgenden Zeit dann soll sich das Unglaubliche zugetragen haben. Der Rattenmann habe seiner Angebeteten ein sagenhaftes Theater erbaut, um nun gar ihre Liebe zu gewinnen. Er errichtete es aus Stein, so ging die Geschichte, und solches war naturgegebener Maßen nie da gewesen im Mäusereich! Versiert arbeitete der Rattenmann an dem Bauwerk, Tag und Nacht, und es gedieh zu einem prächtigen kleinen Palast. 
Der Comte dachte sich sogar Bühnenstücke für Luna aus. Und es seien Geschichten gewesen, die nun wirklich nur Ratten erdenken konnten.
So auch ein Bühnenstück, so ging die Sage, das sich um einen magischen Spiegel gedreht haben soll, der Schwingen hatte. Und wenn der Mond in den Spiegel schien, während unter ihm im Kamin die Scheite wie die Sonne glühten, seien die Wünsche der Hauptfigur in Erfüllung gegangen. Und nicht nur die, denn Mond und Sonne hatten so die Gelegenheit, trotz ihrer Verschiedenartigkeit kurz im Spiegel vereint zu sein. Wie Luna und der Comte durch eben diese Kunst.
Das Stück aber war verloren gegangen, die Mäuse selbst hielten Stillschweigen darüber und mieden das Thema wie eine Peinlichkeit - als hätten sie sich damals vom Untier geradezu verführen lassen...

Als das Theatre fertig war nämlich, und als der erste große Erfolg des Stückes die Runde machte, ging eine ganze Horde Mäuseriche gegen den Comte vor.
Denn oh, dies nun wollte die Mäusesippe dann doch nicht mehr länger dulden, dass sich einer ihrer Todfeinde mit ihnen gemein machte und auch noch um ihre wundervolle Luna warb.
Das an sich aber war nicht das einzig Tragische, das Mathilde so weh tat, das es nicht mehr heilen wollte - nein, es war, was Luna dann tat. Denn diese... feuerte ihre Sippe an.
Vielleicht hatte sie es getan, da sie sich die ganze Zeit insgeheim geschämt hatte und die Rache und den Ausschluss ihres Stammes fürchtete, vielleicht aber auch, da sie die gewisse Zuneigung nur geheuchelt hatte, um das Theatre zu bekommen. Etwas, das ihr nur die starke, findige Wolfsratte hätte erbauen können. Mäuse wären zu solchem nie fähig gewesen.
Tatsache war, Luna soll nachträglich geradezu froh gewesen sein, den Comte los zu sein. Ein stattlicher Mäuserich von Rang und Namen beglückte sie mit einem Wurf und sie ward einvernehmlich in die Gemeinschaft integriert.
Der Rattenmann jedoch, man munkelte, er sei gestorben bei diesem Angriff - zumindest habe er sich nicht mehr gewehrt, als Luna begann, die Horde anzufeuern. Als habe ihn alle Kraft in just diesem Moment verlassen. Der Angriff und das Zähneschlagen in den am Boden Liegenden dann, er endete jäh, als ein Pfau auf dem Dache des Theatres seinen Schrei durch die Nacht schickte und alle in Panik flohen.



Die Geschichte endete, wie es enden musste. Es wurden nicht mehr viele Stücke aufgeführt seitdem, der Kreativität der Wolfsratte konnte Luna letztlich nicht das Wasser reichen. Immer seltener trat sie auf, und nach und nach mieden alle diesen Ort, als seien sie erwacht davon, auf was sie sich da eingelassen hatten. 

Schließlich zogen alle weiter, verlassen dieser Teil des Waldes, in dem man sich... nur zu gern gemein gemacht hatte mit dem Unerhörten.
Doch das Theatre blieb ein unguter Platz - man munkelte, der Comte spuke nun zur Strafe als Zweiköpfiger dort herum.







Mathilde musste bei all diesen Gedanken eine Träne fortschniefen, die ihre kleine Nase herabrollte.
"Er hat sich nicht einmal mehr gewehrt.... ohhhh... Drecksbande von Heuchlern, diese sogenannten Helden! Die haben weitergemacht, bis er... Und wieso soll er zur Strafe zwei Köpfe bekommen haben!? Eher als Sinnbild, wie viel klüger und schöpferischer er war als die! Pfui, Luna!"
Mathilde schüttelte so energisch ihren Kopf, dass ihre Ohren schlackerten. "Nein, nein, das ist Unrecht - nein, das ist nicht richtig gewesen. Und so schon gar nicht.... Oh, Mäusegöttin, solch eine Geschichte... Dabei hat sie so schön angefangen. Eine Ratte und eine Mäusin... Nicht eine sogenannte Liebe, weil sie sich einfach nett paaren wollen, um einen Wurf zu haben - sondern eine Liebe gegen den Strom, die so viel größer war. Zumindest von seiner Seite aus - und zunächst von ihrer wohl auch. Da ging es um so viel mehr... Falls es wahr ist. Oh, ich muss herausfinden, wie es wirklich war!"

Mathildes Atem stockte. Sie musste nun ganz nahe am Teufelshügel sein und fühlte sich auf einmal schrecklich klein.


Die Mäuse der Umgebung hatten den Hügel so getauft, seit das Schreckliche geschehen war. Hier war es geschehen. Hier kam keiner mehr hin.
Wie erwacht blickte sich Mathilde um. Kaum konnte sie sich überwinden, das anzusehen, was dort oben auf dem Hügel stand.
"Tatsächlich", hauchte sie, um dann alle Vorsicht vergessend auszurufen: "ES IST WAHR! Es existiert!"


Mit geradezu fliegenden Pfötchen eilte sie den Hügel hinauf, oh, sie wollte sich alles genau anschauen! Mäuse sehen auf Distanz nicht so gut, doch Mathilde meinte, etwas Weißes, sehr Kleines davonhuschen zu sehen.


Doch es war wohl doch nur eine kleine Reflexion der Sonnensprenkel am Boden...
Völlig unbehelligt erreichte sie die Seitenmauer des Theatres. Ein verblichenes, altes Plakat hing zerrissen im Rahmen, Zeuge einer vergangenen Zeit... Der Name der Hauptdarstellerin war noch deutlich zu lesen und bannte sogleich ihren Blick.


"Theateraufführung", las Mathilde leise, und ihr Herz schlug noch schneller als ohnehin hinter ihren Rippen. 
"Der geflügelte Spiegel ... in der Hauptrolle, Luna..."


Zumindest dieser Teil der Legende war wahr, so erkannte die Mäusin staunend, und hatte sie noch Zweifel daran gehabt, nun nicht mehr. Das "unselige Treiben", von dem man sich hinter vorgehaltenen Pfoten erzählte, es hatte tatsächlich hier stattgefunden. Seltsam mutete Mathilde jedoch an, dass genau dort in der Ecke, in der der geradezu magische, berühmte Name stand, das Plakat wie geschützt wirkte. Zwar ziemlich verblichen, doch unversehrt.
"Hätte er denn ausgerechnet diesen, ihren Namen hierauf unbehelligt gelassen, wäre er zurückgekehrt? Oder sein Geist, der hier in diesen Mauern hausen soll? Das verstehe ich nicht."
Mathildes Neugier siegte. Vorsichtig lief sie ums Eck zur Vorderfront des Gebäudes. Aufgeregter als jetzt, das konnte sie ohnehin nicht mehr werden. Und sie konnte es  nun auch nicht mehr erwarten.


Und da war es. Hier. Der Eingang zu den Träumen. Groß öffnete sich die Bühne vor Mathilde.
"Hier hob er sich also, der letzte Vorhang... um nie mehr zu fallen - als genau hier das Grauenhafte passierte", flüsterte sie ergriffen.


Das Mäuslein atmete tief durch. "Oh, doch die Mäusegöttin soll mich verschlucken, wenn dies nicht trotz allem das Schönste ist, was ich je gesehen ha..."
Weiter kam sie nicht.
Mathilde machte einen reflexartigen, riesigen Satz in die Höhe und kam unsanft wieder auf. Fast wäre sie dabei noch rücklings den Hügel hinuntergepurzelt, so groß war ihr Entsetzen. Auf dem Dach des Theatres nahm sie die Silhoutte eines Pfaues wahr!
"Mäusefresser", zischte es aus ihr heraus, als habe man ihr die Luft herausgelassen. An Flucht war nicht mehr zu denken. Er sah geradewegs zu ihr hinunter!



Mathilde konnte sich nicht mehr rühren, und auch Beteuerungen, sie, Mathilde, sei nicht eine der Mäuse gewesen, die einst dem Comte die Todesbisse zufügten, sie blieben ihr im Halse stecken.
Doch ach, der große Schreck verpuffte. Sein Verursacher entpuppte sich bereits im nächsten Moment als harmlos. Es war eine Statue!


Und ein echter Pfau, na, der wäre ja auch viel größer gewesen, schalt sich die Mäusedame. Den hätte sie trotz allem wohl auch sofort gerochen!
Einigermaßen strömte das Blut nun wieder durch den ganzen kleinen Körper, und völlig selbstvergessen blickte Mathilde schließlich auf das imposante Bauwerk dort vor ihr, das dräuend im Licht der untergehenden Sonne stand.
Die kleine Maus weinte. Einerseits vor Erleichterung, nicht als Pfauenfutter geendet zu sein, andererseits vor Erschöpfung. Vor allem aber weinte sie, weil die Legende wohl tatsächlich geschehen war.
Als Mathilde so stand und um den Comte weinte, der nicht ihrer Art und doch so unbegreiflich gleich mit ihr war aber, schien sich der grandiose weiße Pfau aus Stein ein wenig zu ihr hinzubeugen. Und in diesem Moment fiel seitlich etwas vom Dach.
Die Maus duckte sich instinktiv, dann siegte einmal mehr die Neugier. Sie hätte schwören können, es seien seitlich Stücke aus der Statue herausgefallen. Als Mathilde jedoch nachsah, lagen da nur viele kleine weiße, weiche Federn auf dem Boden. 


Völlig verzaubert nahm sie sie in Gewahrsam.
"Hier werde ich bleiben", flüsterte sie.
Und im Licht der untergehenden Sonne sammelte sie Material für ein Mäusenest.


"Irgendwie sind wir wohl beide in der Mauser, Geist oder nicht... falls Du überhaupt noch hier bist. Ich jedenfalls werde dem allen auf den Grund gehen."




Der Vorhang fällt, eine kleine Pause bis morgen.
Dort wartet der zweite Akt auf Euch...
Wir hoffen so sehr, es hat Euch gefallen.

Tomorrow, there will be the second part waiting for you...


Eure Méa


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Dienstag, August 25, 2015

Basisches Brot backen, leicht gemacht

Dinkel ist NICHT basenbildend... so er nicht gekeimt hat



Meine Lieben,

bevor nun der September kommt,
 und mit dem nächsten Post eine zauber-mausige Geschichte zu Euch auf Pfötchen und Pfoten nach Hause eilt:
Ich dachte, das hier passt noch so schön zum im letzten Post vorgestellten Keim-Tisch - 
denn hier keimt so manches.

Nicht nur unser Reis (Lichtkeimer),



und die Bohnen,


sondern auch unser Getreide.


Nach x-facher Anfrage schreibe ich das nun doch einmal auf, wie ich das so mache mit unserem Brot.

Einiges hatte ich ja bereits erklärt - falls Ihr wollt, hier könnt Ihr klicken.
Ich will hier auch nicht zu weit in die Tiefe gehen - 
zum Recherchieren findet sich ohnehin im Netz alles Wichtige.
Und ich will hier auch nicht die Ökoernährungslady sein,
muss schließlich wieder ins Atelier,
um eben dieses, das tägliche Brot zu verdienen :)))
Nur eines vorweg. Ungekeimtes Getreide zu verarbeiten, das ist NIE basisch, immer säurebildend, auch der berühmte Dinkel. 
So einfach ist es also nicht.
Und aus frisch gekeimten Kerlchen einen Matsch zu machen und dann Fladen (Essener Brot) - da oxidiert zu viel und ist auch nicht so... appetitlich, finde ich, und umständlich.
Ne, das machen wir eleganter.


Kleiner Hintergrund

Durch das Keimen verliert das Getreide ja das "Schädliche". 
Warum schädlich? Nun, Samen haben in den Randschichten Hemmstoffe ect., 
ja, die Kleinen wehren sich gegen die "Fressfeinde". 
Logisch eigentlich.
Das ist an sich nicht schlimm, überhaupt nicht, der menschliche Darm packt mit seinen Zöttchen und Zotten ohnehin so einiges, doch... 
das muss er heutzutage ohnehin, nüchwahr?
Und wieso es unserem Wunderwerk dann nicht ein wenig leichter machen und das Wertvolle aufschließen? 
Die Arbeit macht ohnehin das Wasser und die Zeit, nicht wir. Also.

Wenn man mal guckt, wieviel Weizenkram man am Tag so zu sich nimmt, ÜBERALL scheint der drin zu sein.
Pizza, Pasta, "schön" aus verzüchtetem Hochleistungsweizen (da ist auch Bio nicht hilfreich), 
damit auch ordentlich dran verdient werden kann. 
In der Frühe schon Müsli oder sonstige "Cerealien", dann Pausebrot, zu Mittag im Hauptgericht, lecker Käffchen mit was Süßem? Jahaaa, auch wieder mit Weizen, 
und dann Abends... 
Und in so vielem ist das, von dem man nicht mal denkt, dass da Weizen drin ist!

So aber kann man zumindest aus der drögen Mehlstulle eine vom ernährungsphysiologischen Standpunkt aus ´ne viel wertvollere, 
ja, beinahe eine Gemüsemahlzeit (aus Keimen eben) machen!!!
IST das cool?


Und wie wunderbar, auch das Gluten wird umgesetzt.
Das ist aber auch doof, 
denn mit Gluten kann man doch soooo schööön backen, denn es klebt (und verklebt im Darm die Zöttelchen, wenn es schief läuft...).
Wir brauchen also sozusagen einen alternativen Back-Kleber. 
Wenn Du nicht ein Brot haben willst, das vor Deinen Augen zerbröselt, bevor Du es auch nur berührst oder einen unansehnlichen Fladen, 
dann mache es einfach so:

Rezept für ein "basisches" Brot

Erst ein knappes Pfund der Körner schön keimen lassen (ich nehme Dinkel und Kamut)
und zwar so, dass sich nur Spitzchen bilden - nicht mehr, denn zu lange Fasern mag Eure Mühle nicht.
Ich lasse königlich in Terrinen und sonstigen Fayencen keimen. 
Hier gilt als oberstes Gebot Hygiene. 
Leinenhandtücher, nur für diesen Zweck angeschafft, in Seifenlauge pikobello heiß gewaschen, 
und für das Steingut (schon allein, um die Glasur zu schonen und ein wenig zu versiegeln) Marseiller Seife.
Das merkt man.



Und so sieht es dann aus in der kleinen Schlossküche.
Ich habe hier immer Durchlauf. 
Kommt etwas zum Backen in den Ofen, wird auch schon längst wieder eingeweicht.


Dann gut trocknen, etwa zwei Tage- mache die Probe, brich ein Körnlein, es muss ganz trocken sein, sonst nervt das, weil es Dir den Mahlstein verklebt.

Hier trocknet es sich körnergöttlich :)...



... und unsichtbar



Sortiere nicht so Schönes aus.

Ja, nun haben wir unser Getreide. Ab in die Mühle damit.



Auf  das nun erhaltene Mehl



kommt folgendes:
Eine Hand Johannisbrotkernmehl (lecker!!! Und klebt ein wenig)
15 g Chiasamen (speichert herrlich die Feuchtigkeit, so wird es ein saftiges Brot. Und guckt auch mal, was Chia noch so alles kann)
Uuuund ich nehme dann noch etwas, das schön den Teig zusammenhält. 
Habe ich gefunden, nennt sich Soßenbinder von B., 
besteht aus Reismehl, Tapioka- und Maistärke. 
Muss ich gar nicht mehr selbst mahlen :))
Klasse an dem Zeug ist, dass Du nicht so umständlich viele Zutaten brauchst - ich hab dies vor kurzem erst entdeckt und bin sehr verzückt darüber, es hält den Teig bombig zusammen!
50 g von diesem Binder bitte.


Noch eine große Prise Zimt (muss!!! Den schmeckt Ihr nicht, macht aber ungeheuer was im Geschmack insgesamt),



und eine Prise Salz, bitte nicht dieses schädliche herkömmliche Laborsalz, sondern gutes Steinsalz,


alles zusammentun, 
voilà.

Edelst auch mit einer Handvoll Sojamehl für Eiweiß hinein, oder auch mal ein wenig Mandeln, gerieben oder ganz, hmmmm...

Nun einfach ein Hefeteiglein ansetzen. 
Ihr kennt das ja. Trockenhefe auf 1/4 l lauwarmes Wasser mit ein wenig Rohrohrzucker von R., um die Kerlchen anzufüttern ;)



Wenn es anfängt "zu leben", in das Mehlgemisch geben.
Schön durchkneten.
Basisches Mehl braucht viel weniger Feuchtigkeit!!!



Gehen lassen an einem geschützten, einigermaßen warmen Ort...



So ist es schön... 
Basisches Mehl (also basenbildend zu sagen, wäre richtiger) geht nicht so stark auf wie herkömmliches.
Etwa ein Drittel bis zu der Hälfte ist hier perfekt.
Ansonsten ist es wie immer beim Brotbacken: 
Beim Draufklopfen muss es nun ein wenig... nun, "hohl-papierern" klingen,
der Teig haftet weder an Händen, noch an der Schüssel.



Na? War doch ein Witz? Geht wunderbar einfach im Nebenher... Muss es auch bei der Méa.

Ich backe in meinen Sinterkeramik-Brotformen, die ich mit Kokosfett (hält höchste Temperaturen aus) ausstreiche. 


Falls ein Experte zu Hause ist wie hier, eine Qualitätsprüfung durchführen lassen ;)



Nun das Brot 15 min auf 200°C anschubsen, wie man das nennt
(keine Sorge, im Inneren der Backform wird diese Gradzahl eh nicht erreicht)
dann knappe zwei Stunden auf 100°C backen 
(hierzu muss ich bei meiner Herd-Zeituhr 1:55 einstellen)

Somit hat man auch keine Transfettsäuren durch zu hohe Temperatur erzeugt:
In den Randschichten der Keime (Vollkorn, ne?) sind ja nicht allzu hitzebeständige, wertvolle Öle - und die werden sonst schädlich.
So aber umgeht man das.
Isses nicht schön? 
Dieser Backvorgang übrigens, er verbraucht auch nicht mehr Energie, als sehr heiß und kurz zu backen, habe ich mich erkundigt, eher weniger.

Na denn, lasst es Euch mal königlich gut gehen,
guten Appetit mit dem superleckeren Brot - 
von dem man interessanter Weise viel weniger braucht, da es so gehaltvoll ist.
Weniger Müll, mit dem der Darm umgehen muss und den er entsorgen muss!
Macht nicht so müüüüüde :)


So, nun aber, Ich futter dann mal ne Stulle ;))
mit Rucolapesto drauf, hmmmmm...?
Na, egal, schmeckt einfach göttlich :)

Eure Méa,

Keimlingsdompteuse und demnächst Mäusedirektorin.
Uiii, ich freue mich ja so auf den nächsten Post im Mäusetheater :)!!
Kommt Ihr???

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